Alpinkletterführer Rofan
Mike Rutter, Hannes Salvenmoser, Andreas Kirchner, Hannes MarblerUmfang und Abdeckung
Dieser eigenständige Kletterführer zum Rofan über dem Achensee gliedert das Massiv in West‑, Ost‑ und Nordteile – entsprechend den deutlich unterschiedlichen Klettereien an den jeweiligen Wänden. Für eine so kompakte Gruppe ist die Abdeckung beeindruckend vollständig: vom Klobenjoch (sowohl die sonnenverwöhnte Südwand als auch die ernstere Nordseite), Rotspitze, Gschöllkopf, Höllenlochwand, Issplatten und Hochiss im Westen, über Seekarlspitze, Rosskopf, Rofanspitze, Schokoladetafel, Sagzahn, Vorderes Sonnwendjoch/Köglwand, Kammerkirch’, Schermsteinwand und Haidachstellwand im Osten, bis hin zu den nördlichen Außenposten Guffert sowie dem Kletterfels am Schneidjoch/Abendstein. Es wartet alles von kurzen Klettergartenlängen bis zu 400‑Meter‑Wänden, mit Schwierigkeiten etwa von UIAA III bis X‑.
Aufbau und Kartierung
Der Führer folgt Panicos klarer, praxiserprobter Gliederung. Jeder Sektor beginnt mit Orientierung, Wandhöhe, Schwierigkeitsspektrum und Zustieg. Routen sind mit Schwierigkeiten, Charakterhinweisen und Erstbegehungsangaben aufgeführt; viele enthalten Seillänge‑für‑Seillänge‑Bemerkungen sowie Abstiegsinfos (z. B. Abseiloptionen wie 2×55 m oder eine einfache 70‑m‑Leine). Eine Kombination aus Übersichtskarten, Sektorskizzen und Fototopos verbindet das Gelände – die Linienführung ist sauber, Bohrhakenstände und markante Punkte sind leicht zu erkennen, und die „Topokarte“-Nummerierung macht Querverweise einfach.
Details am Fels
Herausragend ist, wie gut der Führer die doppelte Persönlichkeit des Rofan einfängt. Südwände wie Klobenjoch‑Süd bieten moderne alpine Sportkletterei an festem Kalk; die Autoren kennzeichnen, welche Linien vollständig mit Bohrhaken ausgestattet oder kürzlich saniert wurden. Nordwände (Klobenjoch‑Nord, Hochiss‑Nord) werden als ernsthafter präsentiert, oft rissorientiert und mitunter feucht – eine ehrliche Einschätzung, die bei Routenwahl und Materialplanung hilft. Kurze historische Notizen – Namen wie Rebitsch, Buhl und Mariacher – geben Kontext, ohne die praxisrelevanten Informationen zu überfrachten.
Logistik und Zugang
Die Zustiegsbeschreibungen nutzen die Rofan‑Seilbahn und logische Stützpunkte (Erfurter Hütte, Berggasthaus Rofan, Dalfaz‑Alm), mit Gehzeiten, die für Tagestouren aus dem Tal realistisch wirken. Nützliche Hinweise zu Etikette und Zugang (z. B. Wasserfassung nahe der Dalfaz‑Alm, ruhiges Verhalten) zeigen die lokale Verankerung der Autoren.
Fazit
Für Kletterer, die in einem kompakten Gebirge sowohl gut abgesicherte Berg‑Mehrseillängen als auch klassische Abenteuerrouten kosten wollen, ist dieser Führer kaum zu schlagen. Klare Topos, ehrliche Routencharaktere und verlässliche Logistik machen ihn zum starken Begleiter für Erstbesucher wie für Wiederholer im Rofan. Sehr zu empfehlen für solide Vorsteiger im UIAA‑Bereich, die sowohl Plaisir‑Kalk als auch Old‑School‑Alpinflair schätzen.
Details
Leseprobe- Gewicht
- 375g
- Seiten
- 300
- Verlag
- Panico Alpinverlag