Kletterführer Ammergauer Alpen
Marcus Lutz, Martin Oswald, Dieter Elsner, Ronald NordmannUmfang und Abdeckung
Dieser Alpinkletterführer richtet den Fokus auf die Ammergauer Alpen rund um Füssen und findet eine stimmige Balance zwischen großen Kalkwänden und gut erreichbaren Tal-Klettergärten. Die Abdeckung ist beeindruckend vollständig: der Sektor Halblech (Geiselstein, Kenzenkopf, Hochplatte, Krähe), die Füssener Berge (Tegelberg, Hoher/Niederer Straußberg, Zunderköpfe, Pilgerschrofen), das Säuling-Massiv (inklusive Kleiner Säuling und Brunstgratwand) sowie ein eigenes Kapitel zu den Sportklettergebieten rund um die Stadt (Ziegelwies, Schwanseeplatten, Kraftwerkwand und weitere). Sogar ein Abschnitt zum Winterklettern am Pilgerschrofen ist enthalten.
Aufbau und Benutzerfreundlichkeit
Das Buch startet mit einer kompakten Einleitung – Regionengeschichte, Umgang mit dem Führer, Absicherung/Ausrüstung und Bewertung – bevor es die Touren in vier klare Teile gliedert: A Halblech, B Füssen, C Säuling und D Sportklettern. Zu jedem Gebiet gibt es Zustiegshinweise (inklusive realistischer ÖPNV‑Optionen und E‑Bike‑Abkürzungen), Hüttenstützpunkte und Zustiegszeiten. Eine Übersichtskarte in der hinteren Umschlagklappe verbindet alles, und eine Gesamtliste der Routen am Ende eignet sich hervorragend, um mehrtägige Verkettungen zu planen.
Informationen am Fels
Bei den Mehrseillängen im Kalk spielen die Topos ihre Stärken aus: präzise Wandfotos mit Linienüberlagerungen, Seillängenangaben, wichtige Stände und Abseiloptionen. Exposition und Charakter werden treffend vermittelt – etwa die gegensätzlichen Wandseiten des Geiselstein, die hoch gelegene, sonnengebackene Südseite des Kenzenkopf und die schattige, technische Nordostwand der Krähe mit ihren neueren, härteren Prüfsteinen. Der Absicherungsstil wird ehrlich beschrieben: In Gebieten wie dem Peißenberger Alpinklettergarten und an der Brunstgratwand darf man moderne, gut eingerichtete Sportlinien erwarten, auf historischen Routen aber auch klassisch weite Hakenabstände und Mischabsicherung mit mobilen Sicherungsmitteln. Abstiegshinweise sind dort detailliert, wo es zählt; so ist etwa der abzukletternde Normalweg am Geiselstein klar gegliedert beschrieben, um Überraschungen zu vermeiden. Die Tal-Klettergärten werden knapp und praxisnah vorgestellt – Ziegelwies und die Schwanseeplatten zum Meter machen, die Kraftwerkwand für kraftige Tage.
Bewertung und Empfehlung
Ein durchdacht zusammengestellter, praxisnaher Führer, der eine komplexe Kalkregion verständlich macht, ohne den alpinen Charakter glattzuschleifen. Die Kombination aus präziser Kartografie, gut lesbaren Topos und ehrlichen Texten zu Absicherung, Bewertungen und objektivem Aufwand hebt ihn hervor. Am besten bedient sind Seilschaften, die sich im Mehrseillängenbereich 6–8 wohlfühlen (mit gut vertretenen härteren Optionen) und sowohl Abenteuerlinien als auch ein paar schnelle Sportkletterrunden an Ruhetagen schätzen. Eine starke, vertrauenerweckende Wahl für den ersten oder den Rückkehr‑Trip ins Ammergau – sehr empfehlenswert.
Details
Leseprobe- Gewicht
- 800g
- Seiten
- 360
- Verlag
- Panico Alpinverlag